Der Transvestitismus gehört zu den Geschlechtsidentitätsstörungen und bezeichnet den Wunsch, die Bekleidung des jeweils anderen Geschlechts zu tragen. Dieser Zustand ist unabhängig von der sexuellen Orientierung und tritt bei beiden Geschlechtern auf. Darüber hinaus geht es Transvestiten lediglich um das kurzzeitige Ausleben ihrer Neigungen, das heißt das Schlüpfen in den Part des anderen Geschlechts mittels Kleidung, Make-up u. Ä. für einen begrenzten Zeitraum. Dies wird z.B. in Travestie-Shows praktiziert, in denen so genannte Drag-Queens oder Drag-Kings vor Publikum auftreten.
Vom Transvestitismus ist der Transvestitische Fetischismus abzugrenzen. Hierbei wird ebenfalls Kleidung des anderen Geschlechts getragen, die jedoch lediglich eine Fetisch-Funktion im Rahmen des Sexualaktes übernimmt. Der Transvestitismus ist hingegen gerade durch das Fehlen einer sexuellen Motivation für das Tragen geschlechtsfremder Kleidung gekennzeichnet und durch den Wunsch, sich dem anderen Geschlecht auf diesem Weg lediglich anzunähern und zugehörig zu fühlen.
Der Transvestitismus gilt zwar offiziell als psychische Störung, allerdings ist diese Beurteilung sehr umstritten. Der größte Teil der Transvestiten ist normal in die Gesellschaft integriert und lebt diese Neigung lediglich in der Freizeit aus. Der Transvestitismus gilt deshalb nur dann als behandlungsbedürftig, wenn die Betroffenen unter ihrem Zustand leiden.
Lange Zeit wurde der Transvestitismus auch mit einer homosexuellen Orientierung gleichgesetzt – und auch wenn dieses Bild in der Allgemeinheit noch immer sehr verbreitet ist, so gilt inzwischen als wissenschaftlich erwiesen, dass das Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts kein spezifisch homosexuelles Verhalten darstellt, obwohl es in diesem Zusammenhang natürlich auch vorkommt.
Einer der wichtigsten Forscher auf dem Gebiet des Transvestitismus ist der Psychologe Harry Benjamin, der in den 60er Jahren eine Skala zur Beurteilung der Ausprägung des Transvestitismus entwickelt hat. (1) Benjamin ist vor allem eine genaue Differenzierung zwischen Transvestiten und Transsexuellen gelungen, was im Hinblick auf die weitere Erforschung und die Behandlung der Störungen von enormer Wichtigkeit war.
Zu den Ursachen der Störung gibt es dagegen bis heute, ähnlich wie bei der Transsexualität, keine gesicherten Erkenntnisse. Es wird zwar davon ausgegangen, dass die Krankheit primär psychische Ursachen hat, allerdings sind bis heute keine bestimmten Auslöser bekannt.
(1) Quelle: www.transgender.at/nettext/td-sexue.html