Die Selbstbefriedigung (Onanie) stellt eine Form der Autosexualität dar. Sie wird häufig auch als Masturbation bezeichnet, obwohl dieser Begriff nicht ganz zutreffend ist, da unter Masturbation, streng genommen, auch die Stimulation der Geschlechtsteile durch einen Partner verstanden wird. Bei der Selbstbefriedigung werden von Mann oder Frau die eigenen Geschlechtsorgane stimuliert mit dem Ziel, einen Orgasmus zu erreichen. Die Stimulation kann mit den eigenen Händen oder mit diversen Hilfsmitteln durchgeführt werden.
Der überwiegende Teil der Bevölkerung wendet die Selbstbefriedigung zur sexuellen Befriedigung irgendwann im Leben an. Nach einer Studie des Sexualwissenschaftlers Alfed Kinsey haben 92 % der Männer und 62 % der Frauen sich ein- oder mehrmals in ihrem Leben selbst befriedigt. (1) Der Anteil der Männer, die regelmäßig Selbstbefriedigung betreiben, liegt also vermutlich deutlich höher als der Anteil der Frauen.
Ebenso scheint die Häufigkeit der Selbstbefriedigung bei Männern signifikant höher zu sein. Dies legt zumindest eine britische Studie nahe, die besagt, dass in den vier Wochen vor dem Befragungstermin 73 % der Männer, aber nur 37 % der Frauen Selbstbefriedigung ausgeübt haben. (2)
Die Selbstbebbefriedigung als Handlung mit einer eindeutig sexuellen Intention tritt in der Regel zum ersten Mal in der Pubertät auf. Die Onanie stellt zumeist die erste sexuelle Erfahrung bei beiden Geschlechtern dar und zieht sich als sexuelle Praktik in den meisten Fällen durch das ganze Leben. Die Selbstbefriedigung wird hierbei von vielen Personen lediglich in Lebensabschnitten ohne einen festen Partner praktiziert, häufig ist sie jedoch auch in festen Beziehungen Bestandteil des Lebens.
In der Religion galt die Onanie lange Zeit als schwere Sünde, was auch heute noch in manchen Glaubensrichtungen der Fall ist. Hierdurch lässt sich auch die völlige Fehlbewertung der Selbstbefriedigung durch die Medizin in den vergangenen Jahrhunderten erklären. Selbstbefriedigung wurde von Ärzten, vom Mittelalter bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein, regelmäßig mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht. So wurde Onanie z. B. als Ursache von Lepra, Krebs und Geisteskrankheiten angesehen. Auch die Akne, welche überwiegend während der Pubertät auftritt, galt lange Zeit als äußeres Symptom des exzessiven Onanierens.
Die moderne Forschung konnte diese Vorurteile allesamt widerlegen und stellte sogar fest, dass Selbstbefriedigung ähnlich positive Effekte auf die Gesundheit hat wie Geschlechtsverkehr. So führt regelmäßiges Onanieren z. B. zu einem Absinken des Blutdrucks und einer größeren psychischen Ausgeglichenheit. Bei Männern konnte zudem nachgewiesen werden, dass regelmäßige sexuelle Aktivität, wozu auch Selbstbefriedigung zählt, zu einer Abnahme des Risikos für Prostatakrebs führt.
1) www.kinseyinstitute.org/research/ak-data.html
2) www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez
Literatur: Wiebke und Axel H. Kunert: Das Handbuch der Onanie, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin, 2002