Auch wenn Ihnen der Begriff nahezu unbekannt erscheinen dürfte, Zytomegalie zählt zu den häufigsten Infektionen. Die meisten Menschen infizieren sich während ihres Lebens damit. Jedoch wird des den wenigsten wirklich bewusst, da die Infektion meist ohne Symptome verläuft.
Das Zytomegalievirus (CMV) ist den Herpesviren zuzuordnen und verbleibt nach einer Infektion lebenslang in den menschlichen Zellen. Etwa 60 Prozent aller Bundesbürger tragen den Erreger in sich. Zur Gefahr wird Zytomegalie erst dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist und den Erreger nicht abwehren kann. So zählen besonders AIDS- oder Krebspatienten zu den Risikogruppen. Aber auch Schwangere sind gefährdet. Durch eine Infektion kann es beim Fötus zu Missbildungen kommen. Zytomegalie gilt als häufigste Infektion, welche von Schwangeren auf das ungeborene Kind übertragen werden kann.
Ansteckungsgefahr besteht durch Tröpfcheninfektion, bei Bluttransfusionen oder Geschlechtsverkehr. Über den Mutterkuchen kann sich das Virus auf das ungeborene Kind übertragen. Die Symptomatik ist recht unterschiedlich und abhängig vom Alter und der gesundheitlichen Verfassung des Betreffenden. Erstinfektionen verlaufen nahezu beschwerdefrei. Es können leichtes Fieber, Übelkeit oder Mattigkeit auftreten. Ist das Immunsystem angegriffen, kommt es zu einem deutlich verschärften Krankheitsbild. Es kann eine akute Hepatitis auftreten. Die Leberentzündung geht mit einer Gelbfärbung der Haut und der Augen einher. Ebenso kann sich die Netzhaut entzünden, was bis zur Erblindung führen kann. Weiterhin können schwere Schädigungen von Lunge und Gehirn unter ungünstigen Umständen zum Tode führen. Tritt bei schwangeren Frauen in den ersten beiden Monaten der Schwangerschaft eine Infektion auf, kann dies für das Kind schwerwiegende Folgen haben. In Deutschland werden jährlich etwa 1 000 Kinder mit Zytomegalie geboren. Die Kinder können ihr Gehör verlieren, schwere Hirnschäden davontragen oder Blutkrankheiten besitzen. Drei von zehn der Betroffenen sterben.
Bei gesunden Menschen muss Zytomegalie in der Regel nicht behandelt werden. Treten unbestimmte Symptome auf, gibt eine Blutuntersuchung Aufschluss, ob es sich um das Zytomegalievirus handelt. Behandelt wird mit Virostatika. Diese Medikamente gegen durch Viren ausgelöste Infektionen bringen schnell Linderung und schützen vor Komplikationen. Besonders Schwangere sollten selbst harmlose Symptome abklären lassen. Das Beschwerdebild ähnelt sehr häufig einer leichten Grippe und führt daher oft dazu, verharmlost zu werden, was gerade bei Schwangeren fatale Folgen haben kann. Schwerwiegende Infektionen des Fötus lassen sich auf dem Ultraschallbild erkennen. Um jedoch eine mögliche Infektion völlig auszuschließen, müsste ein CMV-Antikörpertest durchgeführt werden. Dieser ist jedoch kein Bestandteil der Mutterschaftsvorsorge. Für Schwangere ist daher besondere Vorsicht geboten. Besonders innerhalb großer Kindergruppen kann das Virus schnell übertragen werden. Der Mensch kann sich mehrmals mit Zytomegalie infizieren. Erstinfektionen sind für das Neugeborene stets gefährlicher als eine Wiederansteckung. Wurden Antikörper nachgewiesen, sollten Mütter nicht Stillen, da die Infektion auch über die Muttermilch auf den Säugling übertragen werden kann. Bislang gibt es keinen wirksamen Schutz gegen Zytomegalie. Verschiedene Impfstoffe befinden sich noch in der Entwicklung.