Die menschliche Sexualität ist äußerst facettenreich und wird, je nach individuellen Anlagen, auf verschiedenste Weise ausgelebt. Darüber hinaus prägt sie in starkem Maße die gesellschaftlichen Strukturen - vom Altertum bis heute.
Westliche Strukturen des Zusammenlebens sind u. a. auf die Sexualität des Menschen rückführbar: Da in der heutigen Zeit die Heterosexualität, also die Ausrichtung auf das jeweils andere Geschlecht, die häufigste, weil normative, sexuelle Orientierung darstellt, suchen die meisten Menschen einen gegengeschlechtlichen Partner. Dies führte dazu, dass Mann und Frau in der Regel die Grundeinheit einer Familie und somit die kleinste gesellschaftliche Form des Zusammenlebens bilden.
Über die Heterosexualität hinaus gibt es allerdings noch weitere Formen der sexuellen Orientierung, wie z. B. die Homosexualität (Ausrichtung auf das eigene Geschlecht), die Bisexualität (Ausrichtung auf beide Geschlechter) und die Asexualität (keinerlei sexuelles Verlangen). Werden diese Ausprägungen in manchen Ländern auch heute noch tabuisiert oder sogar unter Strafe gestellt, so ist der Umgang mit unterschiedlichen Formen der sexuellen Orientierung in den westlichen Nationen während der letzten Jahrzehnte deutlich liberaler geworden. Zudem wird eine Gleichberechtigung all dieser Lebensstile angestrebt.
Biologisch gesehen ist Sexualität nichts weiter als die Neukombination von Erbinformationen zum Zweck der Arterhaltung. Gesteuert wird dieses Verhalten durch eine Vielzahl von Hormonen, die den Geschlechtstrieb des Menschen steuern. Während diese Sichtweise der Sexualität als reines Selbsterhaltungsprogramm der Natur, das vollständig triebgesteuert abläuft, bei vielen Tierarten in der Tat zutrifft, so weist die Sexualität von Menschen komplexe Eigenschaften und Funktionen auf:
Bei der Bildung von Gruppen und dem Zusammenhalt des Beziehungsgefüges spielt sie eine herausragende Rolle. Denn wäre die Sexualität eine rein biologische Notwendigkeit, wäre es ausreichend, die Kontakte lediglich auf den sexuellen Akt zu beschränken. Aber der menschliche Wunsch nach dem dauerhaften Zusammenleben mit einem Sexualpartner verdeutlicht die soziokulturelle Komponente der Sexualität.
Darüber hinaus unterliegt sie nicht nur dem Instinktverhalten, sondern kann durch bewusste Entscheidungen beeinflusst werden. Einzelne Faktoren wie die persönliche Moralvorstellung oder gesellschaftliche Norman können dabei eine Rolle spielen.