Die Homosexualität bezeichnet eine Ausprägung sexueller Orientierung, bei der die sexuelle Begierde ausschließlich auf Menschen des eigenen Geschlechts gerichtet ist. Diese sexuelle Orientierung kommt bei Frauen und Männern mit ähnlicher Häufigkeit vor, wobei viele Studien darauf hindeuten, dass männliche Homosexualität etwas häufiger auftritt als weibliche. (1)
Die Homosexualität gehörte in der Antike ganz selbstverständlich zum normalen Leben. Im alten Griechenland und dem Römischen Reich beispielsweise stellte die Bisexualität, also sexuelle Beziehungen zu beiden Geschlechtern, die häufigste Form der sexuellen Orientierung dar. Dies änderte sich sehr stark im Mittelalter durch den steigenden Einfluss der Kirche auf die Gesellschaft. Die Homosexualität wurde von den Kirchen als unnatürlich und Sünde gegen Gott angesehen. Dies führte soweit, dass Homosexuelle ihre Sexualität nicht mehr frei ausleben konnten, aus Angst vor Folter oder Todesstrafe.
Durch eine wachsende Emanzipationsbewegung und politische Anstrengungen in den vergangenen Jahrzehnten ist es inzwischen in den meisten westlichen Nationen möglich, die Homosexualität frei auszuleben, auch wenn in der Gesellschaft zum Teil noch Vorbehalte und Vorurteile bestehen.
Zur Entstehung der Homosexualität werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, von denen jedoch viele als diskriminierend kritisiert werden, da die Homosexualität vielfach als krankhafter Zustand oder evolutionäre Fehlentwicklung betrachtet wird. Es wird vermutet, dass genetische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung der Homosexualität spielen, wobei derzeit nicht abschätzbar ist, wie stark dieser Einfluss wirklich ist.
Ebenso wird die Theorie des Endokrinologen Günter Dörner diskutiert, der vermutet, dass die Entstehung der Homosexualität aus einer Fehlregulierung bestimmter Hormone während der Embryonalphase resultiert. So sollen bei Jungen Hormone, die zu einer „Vermännlichung“ des Gehirns führen sollen, in zu geringer Zahl vorhanden sein, so dass zwar der Körper männlich ist, das Gehirn jedoch eher weibliche Charakteristika aufweist, was als Resultat zu einer weiblich geprägten Sexualorientierung führt.
In der Psychologie wurde die Homosexualität lange als behandlungsbedürftige psychische Störung angesehen. Mittlerweile herrscht jedoch weitgehende Einigkeit darüber, dass die Homosexualität lediglich eine von mehreren Möglichkeiten der sexuellen Orientierung darstellt, woraufhin im Jahr 1992 die Weltgesundheitsorganisation die Definition von Homosexualität als Krankheit offiziell korrigierte.
Trotz der steigenden Anerkennung der Homosexualität haben viele Betroffene jedoch noch immer mit Vorurteilen zu kämpfen und oftmals große Schwierigkeiten, ihre Neigungen der Öffentlichkeit oder dem familiären Umfeld zu offenbaren (Coming-Out).
(1) S. S. et C. L. Janius (1993): The Janius Report on Sexual Behavior, New York, John Wile & Sons