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Sympathieleiden bei Männern während einer Schwangerschaft?

Das Thema Männer und Schwangerschaft wurde in der Wissenschaft lange vernachlässigt. Zwar gibt es umfangreiche Kenntnisse über hormonelle und psychische Veränderungen der Frau, doch dass Männer während einer Schwangerschaft ganz ähnliche körperliche Erfahrungen machen, wurde lange übersehen.

Erst seit einigen Jahren ist das so genannte Couvade-Syndrom in der Medizin bekannt. Hierbei handelt es sich um eine Vielzahl von Symptomen, die den Erfahrungen ähneln, die eine Frau im Verlauf der Schwangerschaft erfährt. In erster Linie kommt es hierbei zu hormonellen Veränderungen, wobei sich z. B. der Blutspiegel von Prolaktin, Östrogen und Testosteron zum Teil stark verändern. Die Hormonproduktion des Mannes scheint sich hierbei der Hormonkonzentration der Partnerin im Verlauf der Schwangerschaft anzupassen. Zudem kommt es bei vielen Männern zu den üblichen Schwangerschaftsbeschwerden, die fast jede Frau erlebt. In erster Linie sind hier Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, Ablehnung oder Verlangen nach bestimmten Nahrungsmitteln und Kopfschmerzen zu nennen. Außerdem kann es zu starken emotionalen Reaktionen in Form von Stimmungsschwankungen kommen. (1) In vielen Fällen kommt es zudem zu einer Gewichtszunahme im Bereich des Bauches, die im Verlauf der Schwangerschaft zunimmt und nach der Geburt wieder abfällt.

Die Ursachen dieser Phänomene sind derzeit noch völlig unklar und werden schlicht als psychosomatische Reaktion erklärt. Der Zustand des Mannes wird demnach oft auch als „sympathetic pregnancy“, also eine Art „mitfühlende Schwangerschaft“ bezeichnet.

Die möglichen physischen und psychischen Veränderungen des Mannes während einer Schwangerschaft zeigen jedoch deutlich, dass das Austragen eines Kindes keineswegs ein Prozess ist, der ausschließlich die Frau betrifft, sondern der von beiden Partnern gleichermaßen bewältigt wird. Männer nehmen offenbar in viel stärkerem Maße Anteil an Ängsten, Freuden und auch den Beschwerden einer Schwangerschaft, als es in der Vergangenheit vermutet wurde.

Es ist daher durchaus sinnvoll, Männer in den Prozess der Schwangerschaft einzubeziehen. Dies kann z. B. durch das gemeinsame Besuchen von Vorbereitungskursen für Schwangere oder das gemeinsame Absolvieren von Schwangerschaftsgymnastik geschehen. Vor allem ist jedoch der Austausch der Partner über das eigene körperliche und emotionale Befinden wichtig. Denn auf diesem Weg wird die Schwangerschaft nicht allein zur Aufgabe der Frau, während der Mann ein untätiger Außenstehender bleibt, sondern kann als gemeinsamer Prozess erlebt werden, der eine Reifung beider Partner und die Stärkung der beiderseitigen Bindung bewirkt.

 

1) Klein, H. Couvade syndrome: male counterpart to pregnancy. Int J Psychiatry Med, 21: 1, 1991, 57-69







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