Historisch betrachtet ist die Hausgeburt mit Geburtshilfe durch eine Hebamme die selbstverständlichste Geburtsart und war bis zum Anfang des 20. Jh.s allgemein und weltweit üblich. Erst durch die flächendeckende medizinische Versorgung durch Krankenhäuser und die Einführung der allgemeinen Krankenversicherung nach dem 2. Weltkrieg wurde in den Industrieländern die Entbindung in einer Klinik zur bevorzugten Geburtsart, vor allem weil das medizinische und technische Umfeld sowie die Hygienezustände in einem Krankenhaus eine große Sicherheit für die werdende Mutter und das Neugeborene bieten.
Der Anteil der Hausgeburten in Deutschland liegt seitdem durchgängig bei unter einem Prozent, mittlerweile interessieren sich aber immer mehr Schwangere für eine Entbindung im eigenen Wohnumfeld. Denn diese bietet durchaus Vorteile: In der gewohnten Umgebung und mit der Begleitung von vertrauten Personen und einer kompetenten Hebamme kann der Geburtsvorgang entspannter und individueller gestaltet werden als in einer Klinik. Zum Beispiel kann die Gebärende sich jederzeit völlig frei bewegen und unterschiedlichste Positionen einnehmen bzw. verschiedene Hilfsmittel (Gymnastikball, warme Badewanne usw.) ausprobieren, um den natürlichen Geburtsvorgang zu erleichtern und zu beschleunigen. Vor allem in der Eröffnungs- und Übergangsphase kann das heimische Umfeld, im Gegensatz zur klinischen Atmosphäre, eine entspannte und vertraute Umgebung bieten, was den Geburtsvorgang insgesamt sehr erleichtern kann.
Eine Hausgeburt ist bei ausreichenden hygienischen Bedingungen, komplikationslosem Verlauf der Schwangerschaft, einem gutem gesundheitlichen Zustand der werdenden Mutter und des Babys normalerweise kein Risiko, jedoch gibt es bei der Planung im Vorfeld einiges zu beachten und zu organisieren. So sollte spätestens drei Monate vor dem errechneten Geburtstermin ein vertrauensvoller Kontakt zu der geburtsbegleitenden Hebamme aufgebaut und diese sowohl in die letzte Phase der Schwangerschaft als auch in die Vorbereitung der Hausgeburt intensiv einbezogen werden. Bei der Auswahl der Hebamme ist es wichtig, dass diese über eine fundierte Ausbildung speziell für Hausgeburten und natürlich über eine umfangreiche medizinische Ausstattung verfügt.
Vorab zu bedenken ist auch, dass eine Hausgeburt normalerweise ohne jede ärztliche Hilfe abläuft. Hebammen verfügen zwar über einige Möglichkeiten und Methoden zur Schmerzlinderung und haben ein fundiertes medizinisches Wissen, bei möglichen Komplikationen während der Geburt kann aber trotzdem ein schneller Transport in ein Krankenhaus nötig werden, um Geburtsschäden abzuwenden. Vor allem in abgelegenen Gebieten kann deshalb eine Hausgeburt ein Risiko darstellen. Bei Risikoschwangerschaften wie zum Beispiel Beckenendlage, einer Mehrlingsschwangerschaft oder vorab bekannten Organschwächen des Babys wird von einer Hausgeburt dringend abgeraten.
Die Kosten für eine Hausgeburt inklusive Vor- und Nachsorge werden von den Krankenkassen übernommen, jedoch muss die Rufbereitschaft für die Hebamme (üblicherweise 150-300 Euro) selbst bezahlt werden.