Krankheitsbild
Die Mandelentzündung oder auch Tonsillitis ist eine sehr häufige Erkrankung, die meistens problemlos ausheilt. Sie tritt zwar gehäuft bei Kindern auf, ist jedoch auch bei Erwachsenen außerordentlich stark verbreitet und gehört zu den 20 häufigsten Beschwerdebildern in der Hausarztpraxis. (1)
Es handelt sich um eine Entzündung der Gaumenmandeln, die durch Bakterien, selten durch Viren ausgelöst werden kann. Sie tritt meist akut auf und heilt innerhalb von Tagen oder Wochen aus.
Es ist jedoch auch eine Chronifizierung möglich, wobei die Beschwerden konstant anhalten oder in regelmäßigen Abständen wiederkehren. Das so genannte rheumatische Fieber, das zu Schäden an Herz und Nieren führen kann, tritt u. U. als Komplikation nach einer durchgemachten Mandelentzündung auf, sofern diese durch eine bestimmte Streptokokken-Art (Beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A) hervorgerufen wurde.
Symptome
Die typischen Symptome sind Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und Abgeschlagenheit. Oft treten zusätzlich Kopfschmerzen, Fieber und ein verstärkter Speichelfluss hinzu. Die Mandeln sind anfangs gerötet und geschwollen, später bilden sich meist gelbliche Stippchen (Mandelsteine), die auch auf das umliegende Gewebe übergreifen können.
Erreger
Die Mandelentzündung wird in der Regel von Bakterien verursacht und hier vor allem von Streptokokken. Andere wichtige Erreger sind Pneumokokken, Staphylokokken und Haemophilus influenzae.
Therapie
Die Therapie richtet sind nach den verursachenden Erregern. Bei viraler Mandelentzündung wird in der Regel nur symptomatisch behandelt, unter anderem mit Schmerzmitteln, desinfizierenden Rachenspülungen und Halswickeln. Bei bakteriellen Infektionen werden häufig Antibiotika, wie Penicillin, verwendet. Diese schützen den Patienten auch vor dem bereits erwähnten rheumatischen Fieber, das bei Streptokokken-Befall auftreten kann. Um festzustellen, ob der Patient gefährdet ist, kann der Arzt hierzu einen Streptokokken-Schnelltest durchführen. Handelt es sich um einen anderen Erreger als Streptokokken, ist auch eine Behandlung ohne Antibiotika vertretbar.
Bei chronischer Mandelentzündung, die auf Antibiotika nicht anspricht, wird in der Regel eine chirurgische Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie) vorgenommen.
Prophylaxe
Es existiert keine effektive Prophylaxe. Ein gesundes Immunsystem trägt allerdings dazu bei, die Erkrankungswahrscheinlichkeit deutlich zu senken.
1) W. Fink, G. Haidinger: Die Häufigkeit von Gesundheitsstörungen in 10 Jahren Allgemeinpraxis. Z. Allg. Med. 83 (2000) 102-10