Ein anderer möglicher Grund für eine Unfruchtbarkeit liegt – neben physischen Defekten eines Partners - an einer immunologischen Inkompatibilität der Partner.
Hierbei kommt es bei der Frau zu Immunreaktionen gegen das Sperma des Mannes, wodurch dieses bereits vor Erreichen der Eizelle zerstört wird. Auch verspätete Reaktionen nach der Befruchtung sind möglich, in diesen Fällen greift das Immunsystem den Embryo in einem frühen Entwicklungsstadium an, was i. d. R. zu einer Fehlgeburt führt.
Verständlich wird diese Reaktion, wenn man sich die Funktionsweise des Immunsystems ansieht: Dieses ist dafür ausgelegt, den Körper vor Fremdstoffen zu schützen, also letztendlich auch vor dem Sperma des Mannes, welches von den zahlreichen in der Scheide befindlichen Immunzellen als Fremdkörper angesehen wird.
Von Forschern wurde nun ein Stoff im Sperma entdeckt, der das Immunsystem der Frau toleranter gegenüber dem Samen machen soll. (1) Dieser Stoff nennt sich TGF-beta und hat die Aufgabe, die Immunzellen der Frau an das männliche Sperma zu gewöhnen. Dieser Effekt wird umso stärker, je häufiger das Immunsystem der Frau mit dem genannten Stoff konfrontiert wird. Die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft nimmt also durch häufigen Geschlechtsverkehr zu.
Die Forscher schlussfolgern nun, dass es offenbar einige Männer gibt, die TGF-beta nicht oder nur in geringen Mengen bilden und somit die beruhigende Wirkung auf das Immunsystem der Frau ausbleibt. Aus diesen Erkenntnissen entstand die Idee, TGF-beta als Therapeutikum bei Frauen einzusetzen, die unter Unfruchtbarkeit leiden oder bereits mehrere Fehlgeburten hatten, die auf Immunreaktionen zurückgeführt werden können.
Einen weiteren Ansatz verfolgt derzeit Alan Beer von der University of Chicago. Dieser untersuchte Frauen, die an einer Unfruchtbarkeit mit ungeklärter Ursache litten. Bei 70 dieser Frauen fand Beer den Botenstoff Tumornekrosefaktor. (2) Dieser wird von Immunzellen während eines Entzündungsprozesses gebildet, so dass auch hier eine Immunreaktion als Ursache der Unfruchtbarkeit vermutet wurde.
Bei ersten Versuchen mit einer Behandlung, die die Konzentration des Tumornekrosefaktors künstlich senkt, wurden 78 % der unter 35-Jährigen Patientinnen schwanger.
(1) Quelle: www.netzeitung.de/wissenschaft/forschung/177662.html
(2) Quelle: www.netzeitung.de/wissenschaft/forschung/174011.html