Unfruchtbarkeit bezeichnet die Unfähigkeit eines Paares, gesunde Nachkommen zu zeugen. Der Grund für die Unfruchtbarkeit kann bei dem einzelnen oder auch bei beiden zugleich liegen. In der Medizin spricht man von Unfruchtbarkeit, wenn trotz ungeschützten Geschlechtsverkehrs in einem Zeitraum von ca. einem Jahr keine Empfängnis zustande kommt.
Insgesamt bleiben ca. 3-4 % aller Paare dauerhaft kinderlos, wobei die Wahrscheinlichkeit einer Unfruchtbarkeit bei Frauen bereits ab dem 25. Lebensjahr stetig ansteigt. Auch bei Männern steigt diese Gefahr mit dem Alter an, allerdings in einem erheblich geringeren Ausmaß. Und so benötigen ungefähr 10 % aller Paare mehr als zwei Jahre, um ein gemeinsames Kind zu zeugen. (1)
Die Ursachen der Unfruchtbarkeit sind dabei meist gleich verteilt: So liegen in einem Drittel der Fälle die Ursachen bei der Frau, in einem weiteren Drittel beim Mann und bei den verbliebenen Fällen liegen kombinierte Ursachen zugrunde. (1)
Bei vergeblichen Versuchen ein Kind zu zeugen, die über 12 Monate dauern, ist es sinnvoll, einen Arzt zu Rate zu ziehen. Zum einen ist die Unfruchtbarkeit in vielen Fällen nur unvollständig und kann somit behandelt werden, zum anderen kann die ungewollte Kinderlosigkeit massive psychologische Effekte auf die Betroffenen haben und unter Umständen das Fortbestehen der Partnerschaft gefährden. Denn die Angst vor der Kinderlosigkeit und der Stress, der mit jedem neuen Versuch verbunden ist, belasten die Beziehung in vielfältiger Weise und können z.B. zu einer sexuellen Dysfunktion führen. Unfruchtbare Frauen erleiden zudem ähnlich häufig eine Depression, wie Personen mit ernsthaften Krankheiten wie z.B. Krebs. (2)
Die Unfruchtbarkeit ist ein Problem, das seit Jahren stetig wächst. Einige Forscher gehen sogar davon aus, dass in einigen Jahrzehnten ca. ein Drittel der europäischen Paare unfruchtbar sein könnte. Die Ursachen für den Anstieg sind weitgehend ungeklärt. Ein bestimmender Faktor dabei ist der Umstand, dass sich immer mehr Frauen in jungen Jahren auf die Karriere konzentrieren und die Familienplanung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Da die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis jedoch mit einem höheren Lebensalter abnimmt, wird ein gewisser Prozentsatz an Frauen allein aus Altersgründen kinderlos bleiben.
In Forscherkreisen werden zudem die steigende Konfrontation mit Umweltgiften und eine hohe Durchseuchungsrate der weiblichen Bevölkerung mit so genannten Chlamydien diskutiert. Dies sind kugelförmige Bakterien, die oft keine unmittelbaren Symptome verursachen, somit häufig unentdeckt bleiben und zu Unfruchtbarkeit führen können.
Diese Theorien sind jedoch bis heute nicht wissenschaftlich gesichert.
(1) Quelle: www.urologielehrbuch.de/infertilitaet.html
(2) Domar AD, Zuttermeister PC, Friedman R. The psychological impact of infertility: a comparison with patients with other medical conditions. J Psychosom Obstet Gynaecol. 1993;14 Suppl:45-52