Mit einer Hormontherapie wird dafür gesorgt, dass dem Körper die Hormone zur Verfügung stehen, die er selber nicht mehr produzieren kann. Vor allem in der Verhinderung der Hitzewallungen erweist sich die Hormontherapie als sehr wirkungsvoll, schon im Verlauf der ersten beiden Wochen nach der Hormonzufuhr verschwinden diese Beschwerden ganz oder können zumindest gebessert werden. Auch wenn Sie aufgrund der Trockenheit der Scheide beim Geschlechtsverkehr Schmerzen gehabt haben, werden Sie bald eine positive Veränderung feststellen: die Schleimhaut wird wieder feucht und widerstandsfähiger gegen Entzündungen.
Die gängigsten Präparate zur Hormontherapie sind die so genannten sequentiellen Kombinationspräparate. Sie enthalten während der ersten Phase nur ein oder mehrere Östrogene und in den letzten 10 bis 12 Tagen zusätzlich ein Gelbkörperhormon. Anschließend an diese zweite Phase kann eine 7-tägige Einnahmepause eingelegt werden. In der Pause kommt es dann zu einer regelartigen Blutung, so dass der Vier-Wochen-Rhythmus durch die Einnahme aufrechterhalten wird.
Möglicherweise treten in der Einnahmepause wieder Beschwerden auf. Das müssen Sie nicht hinnehmen, denn es gibt Präparate, bei denen keine Einnahmepause gemacht wird. Durch das Absetzen des Gelbkörperhormons kommt es aber auch bei diesem Präparatetyp zu einer Blutung, entweder am Ende des Einnahmezyklus oder zu Beginn des nächsten.
Ein anderer Typ von Hormontherapie wird mit einem so genannten kontinuierlichen Kombinationspräparat verordnet. Dabei enthält jede Tablette im Zyklus sowohl Östrogen als auch Gestagen, eine Einnahmepause gibt es nicht. Da die Gebärmutterschleimhaut von Beginn der Einnahme an in ihrem Wachstum gebremst wird, kommt es zu keinen Blutungen mehr. Während der ersten Einnahmemonate treten allerdings meistens noch Blutungen auf.
Diese Hormonpräparate sollten nur Frauen verordnet werden, deren letzte Periodenblutung schon einige Jahre zurückliegt. Bei jüngeren Frauen kommt es bei diesen Präparaten leicht zu unregelmäßigen Blutungen.
Östrogene müssen nicht unbedingt in Tablettenform genommen werden. Da die Haut für diese Substanzen gut durchlässig ist, werden statt Tabletten auch östrogenhaltige Pflaster oder Gele eingesetzt. Die Wirkung dieser Anwendungsformen ist die gleiche.
Östrogene regen die Knochenaufbauvorgänge an. Wenn mit den Wechseljahren die Östrogene weniger werden, verlangsamen sich die Aufbauvorgänge. Im Extremfall wird noch Knochensubstanz abgebaut, und es kommt zur Osteoporose. Eine Hormontherapie in den Wechseljahren kann dieser Gefahr bei regelmäßiger Einnahme wirksam entgegenwirken. Den Knochenaufbau können Sie zusätzlich unterstützen: durch eine reichliche Zufuhr von Kalzium, das z. B. in Milch und Käse enthalten ist, und durch viel Bewegung.
Frauen sind bis zu den Wechseljahren weitgehend vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ihren Komplikationen, allen voran der Herzinfarkt, sicher. Dieses Phänomen führt man auf eine Schutzfunktion der Östrogene zurück. Nach Eintritt der Wechseljahre geht diese Schutzfunktion zusehends verloren, das Erkrankungsrisiko der Frauen nimmt rapide zu, gleicht sich dem der Männer an und übersteigt es sogar. Mittlerweile zeigen viele wissenschaftliche Untersuchungen übereinstimmend, dass eine Hormontherapie in den Wechseljahren das Risiko, einen Herzinfarkt zu bekommen, um bis zu 50 % senken kann.
Die Furcht vor einer Brustkrebserkrankung veranlasst Frauen und Ärzte gleichermaßen, in vielen Fällen auf eine Hormontherapie zu verzichten. Eine gemeinsame aktuelle Auswertung der bisher weltweit vorliegenden Studien zeigt, dass bei Frauen, die Hormone einnehmen, die Zahl der Brustkrebsdiagnosen pro Behandlungsjahr geringfügig ansteigt, nicht aber die Sterblichkeit aufgrund dieser bösartigen Erkrankung. Mit Beendigung der Hormoneinnahme geht das leicht erhöhte Brustkrebsrisiko wieder zurück. Aus dieser Beobachtung lässt sich schließen, dass Östrogene selbst nicht krebsauslösend sind, sondern nur das Wachstum bereits bestehender Krebszellen fördern. Dies ist auch eine Erklärung dafür, dass die unter Hormontherapie zusätzlich entdeckten Brustkrebserkrankungen weniger weit fortgeschritten und dadurch besser heilbar sind.
Vielleicht haben Sie von der einen oder anderen Bekannten schon einmal gehört, dass Hormone dick machen und befürchten jetzt, dass Sie durch die Einnahme der Hormontabletten zunehmen werden. Sie können beruhigt sein - im Durchschnitt nehmen Frauen durch eine Hormontherapie in den Wechseljahren nicht zu. Die Hormontherapie hat eher einen gewichtsstabilisierenden Effekt. Das bedeutet, dass am Anfang der Therapie das Gewicht zunächst einmal um 1 bis 2 kg ansteigt. Für die Gewichtszunahme ist eine Wassereinlagerung verantwortlich, die als willkommenen Nebeneffekt bewirkt, dass die Haut straffer und jugendlicher wirkt als vorher. Im weiteren Verlauf der Hormontherapie stabilisiert sich das Gewicht, die Hormoneinnahme kann sogar eine Gewichtsabnahme erleichtern. Im Gegensatz dazu nehmen viele Frauen, die keine Hormone einnehmen, in den Wechseljahren langsam aber stetig zu.