Das Vaginalkarzinom ist eine bösartige Tumorerkrankung der weiblichen Scheide.
Nur ca. 1-2 % aller Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane entfallen auf das Vaginalkarzinom, es handelt sich also um eine sehr seltene Krebsart. (1) Die Erkrankung betrifft zudem überwiegend Frauen in der zweiten Lebenshälfte und die Mehrzahl der Erkrankten ist über 60 Jahre alt.
Die Ursachen des Vaginalkarzinoms sind noch nicht vollständig geklärt. Allerdings gilt heute das im Jahr 1971 vom Markt genommene Medikament Diethylstilbestrol als einer der Hauptauslöser des Vaginalkrebses. Das künstliche Östrogen wurde früher zur Vermeidung von Fehlgeburten verabreicht und kann auch noch Jahrzehnte nach der Anwendung zu Krebs führen. (2)
Darüber hinaus gelten auch Infektionen mit den Humanen Papillomaviren vom Typ 16 und 18 als Risikofaktor. Sie können beim Geschlechtsverkehr übertragen werden und verursachen häufig kaum Symptome. Langfristig können sie jedoch zu warzenähnlichen Veränderungen der Schleimhaut und Krebs führen.
Das Vaginalkarzinom verursacht in der Regel erst in fortgeschrittenen Stadien Symptome. Meist treten zuerst Blutungen oder ein Ausfluss auf, später folgen Schmerzen im Unterleib. Funktionsstörungen anliegender Organe wie Blase und Darm treten häufig in der Spätphase auf und sind ein Zeichen für die Metastasierung des Krebses.
Das Karzinom wird meist zufällig bei einer gynäkologischen Untersuchung entdeckt. Aus diesem Grund wird vor allem älteren Patientinnen geraten, regelmäßig Kontrolluntersuchungen beim Frauenarzt durchführen zu lassen.
Wird das Karzinom frühzeitig entdeckt ist die Prognose sehr gut und die Erkrankung kann durch eine effektive Therapie gestoppt werden. In der Regel werden die Krebszellen chirurgisch entfernt, wobei das Stadium der Krankheit darüber entscheidet, ob das Organ als solches erhalten werden kann, oder entfernt wird. Haben sich bereits Metastasen gebildet müssen unter Umständen auch Nachbarorgane wie Blase, Darm oder die Gebärmutter entfernt werden. Darüber hinaus wird das betroffene Gebiet gezielt bestrahlt, eine Chemotherapie wird nur selten angewendet.
1) Tran PT et. al.: Prognostic factors for outcomes and complications for primary squamous cell carcinoma of the vagina treated with radiation, in Gynecologic Oncology, 105/2007, S. 641-9
2) www.krebsgesellschaft.de/scheidenkrebs,10885.html
Literatur: Kuhn, Possinger, Schünemann, Willich: Gynäkologische Malignome. Tumortherapie und Nachsorge bei Mamma- und Genitalmalignomen. Zuckschwerdt Verlag, 2003