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Essstörungen - psychosoziale Verhaltensstörungen mit Folgeschäden

Der Begriff der Essstörung bezeichnet ein Gebiet der Verhaltensstörungen, bei denen die Nahrungsverweigerung bzw. die Nahrungsaufnahme im Zentrum aller Gedanken und Handlungen der Betroffenen steht. Sehr häufig sind gesundheitliche Folgeschäden zu beobachten, da es zu einer massiven Fehl- oder Mangelernährung kommt. Die bekanntesten Beispiele einer Essstörung sind Magersucht, Bulimie und Esssucht.

Die Esssucht ist die mit Abstand am meisten verbreitete Form der Essstörung, in Deutschland sind etwa 2 % der Bevölkerung davon betroffen. Das Krankheitsbild der Bulimie zeigte sich im Jahre 2007 bei ca. 600.000 Menschen und von Magersucht waren etwa 100.000 Menschen betroffen. Leider nehmen die Erkrankungen an Essstörungen weiterhin stark zu: Laut einer Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen des Robert-Koch-Institutes aus dem Jahr 2006 mit 17.000 Teilnehmern zwischen 11 und 17 Jahren, wurde bei 30 % der Mädchen sowie bei 15 % der Jungen eine Form der Essstörung festgestellt.

Diese Zahlen erschrecken zum einen aufgrund der Häufigkeit dieser Krankheit, zum anderen wird deutlich, dass der Anteil der betroffenen Jungen im Vergleich zu den vorhergehenden Jahren stark ansteigt. Die Gründe hierfür sind derzeit noch nicht bekannt, da Essstörungen lange Zeit als typische Frauenkrankheit galten und somit noch ein großes Forschungsdefizit im Bereich der Männer herrscht.

Gesichert ist jedoch, dass Frauen deutlich häufiger an Magersucht und Bulimie erkranken als Männer. Primär wird die Ursache in dem Geschlechterbild unserer Gesellschaft gesehen: Da derzeit ein Schönheitsideal vorherrscht, das sehr schlanke Frauen zum Inhalt hat, sind viele Mädchen stark motiviert, diesen „Idealbildern“ nachzueifern. Bei Männern hingegen ist die soziale Akzeptanz der Übergewichtigkeit erheblich größer, wodurch die Folgen, wie z.B. Probleme bei der Job- und Partnersuche, als weniger dramatisch erlebt werden

Aus psychologischer Sicht stellen Essstörungen eine Kompensationshandlung dar: Wenn die Suche nach Glück, Liebe und erfüllenden Kontakten erfolglos bleibt, wird das Essen als eine Art Ersatzbefriedigung benutzt. Die Folgen dieses Verhaltens führen wiederum zu einer Verschlechterung der Situation, so dass sich ein Teufelskreislauf entwickelt, aus dem man, aufgrund der hohen psychischen Abhängigkeit, meist nicht von alleine heraus kommt.

Die Mechanismen entsprechen also denen einer klassischen Suchtproblematik, wobei die Schwierigkeiten im Umgang mit der Außenwelt, durch die Konzentration auf das Suchtmittel, das in diesem Fall die Beschäftigung mit dem eigenen Körper darstellt, ausgeblendet werden. Entsprechend schwierig und langwierig gestaltet sich die Therapie von Essstörungen. Diese basiert in erster Linie auf psychotherapeutischen Verfahren, wobei zuerst versucht wird, die Einstellung zur Ernährung und zum eigenen Körper zu verbessern, um dann langfristig die Entwicklung eines stabilen Selbstwertgefühls zu fördern.

Während die erste Phase der Therapie meist in einer spezialisierten Suchtklinik stattfindet, sind im Anschluss oft noch viele Jahre ambulanter Psychotherapie, bzw. die regelmäßige Teilnahme an Selbsthilfegruppen, notwendig.


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