Urin ist ein Produkt des Körpers, das über die Nieren durch die Harnblase ausgeschieden wird. Es enthält von den Nieren ausgeschiedene Stoffe, vor allem Wasser, Mineralstoffe, Endprodukte des Einweißstoffwechsels, Säuren sowie Harnstoff.
Diesem Harnstoff, von dem der erwachsene Mensch pro Tag etwa 30 Gramm ausscheidet, wird der hauptsächliche therapeutische Effekt der Eigenurinbehandlung zugeschrieben.
Er fördert das Eindringen von Wirkstoffen durch die Haut, erhöht und repariert die Wasserbindungskapazität, stillt Juckreiz, wirkt bakteriostatisch, virustatisch und pilzauflösend. Aber nicht nur bei Hautkrankheiten, auch bei Infektionskrankheiten (Katarrhe, Angina, Mumps, Masern), Asthma, Heuschnupfen, Allergien, Arthrose und chronischer Angina findet die Eigenurintherapie Anwendung.
Aber auch bei Abwehrschwäche, chronischer Müdigkeit, Depressionen und in der Rekonvaleszenz kann die Anwendung hilfreich sein. Spurenelemente, Hormone, Vitamine und Aminosäuren im Urin unterstützen darüber hinaus die Regeneration von Gewebe und helfen somit bei der Wundheilung. Ein Tropfen frischen Eigenharns auf einen sich durch eindeutiges Kribbeln ankündigenden Lippenherpes soll rasch Linderung bringen und den Ausbruch abmildern.
Bei einer Behandlung wird der eigene Urin in kleinen oder größeren Mengen getrunken, äußerlich angewendet oder per Spritze verabreicht.
Einer Trinkkur sagt man eine reinigende, harntreibende und heilende Wirkung nach, dazu werden 50 bis 100 Milliliter des ersten Morgenurins (Mittelstrahlurin) vor dem Essen in kleinen Schlucken zu sich genommen (kann mit Kräutertee gemischt werden).
Auch das Einträufeln in Augen, Nase oder Ohren ist beschrieben. Es sind Teil- und Ganzkörpereinreibungen, Kompressen und Umschläge möglich. Bei einer erkrankten Darmflora sind auch Einläufe mit Eigenurin gebräuchlich; vor dem ersten Einlauf sollte der Darm mit Glaubersalz gereinigt werden.
Wichtig ist, nur frischen Urin zu verwenden und ihn immer zunächst auf Bakterien zu untersuchen. An sich ist gesunder Urin keimfrei, aber er kann bei bestimmten Erkrankungen Kolibakterien, Enterokokken, Streptokokken oder Pilze enthalten, die keinesfalls auf die Haut oder in den Körper gelangen dürfen. Ob Urin bedenkenlos therapeutisch eingesetzt werden kann, lässt sich zum Beispiel durch Teststreifen feststellen, die Aussagen etwa über Keimbefall oder den Säurewert zulassen.