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Durch Kunst zur Bewusstwerdung und Veränderung psychischer Zustände

Die Kunsttherapie ist eine recht junge Therapieform und umfasst eine Vielzahl künstlerisch-kreativer Tätigkeiten: Das gesamte Spektrum der darstellenden und musischen Künste sowie der Poesie können als Werkzeuge der Kunsttherapie herangezogen werden.

Die niederländische Ärztin Ita Wegmann setzte ab 1927 in der von ihr gegründeten anthroposophischen Klinik erstmalig künstlerische Betätigung als Therapieform ein. In den kommenden Jahrzehnten hielt die Kunsttherapie auch in der wissenschaftlich geprägten Psychiatrie Einzug, was hauptsächlich den Veröffentlichungen der Ärzte Hans Prinzhorn und Walter Morgenthaler zu verdanken war. (1,2)

Inzwischen ist die Kunsttherapie zu einem festen Bestandteil der Therapie im klinischen, ambulanten und präventiven Bereich geworden. Sie stellt jedoch nur selten die alleinige Behandlungsform dar, sondern wird zumeist in ein umfangreiches Behandlungskonzept eingebunden. So kann sie z. B. bei der Behandlung chronischer Depressionen eine sinnvolle Ergänzung zu psychotherapeutischer und medikamentöser Therapie sein. Auch in der Krebstherapie und bei der Behandlung chronischer Schmerzen wird die Kunsttherapie häufig als ergänzende Therapieform genutzt. 

Über die Wirkweise der Kunsttherapie existieren verschiedene Theorien. Einer der verbreitetsten Ansätze stammt aus der Tiefenpsychologie und besagt, dass der Patient durch die kreative Betätigung innere Bilder nach außen trägt. Dies führt einerseits zu einer stärkeren Bewusstwerdung innerer Prozesse, andererseits ist der Patient in der Lage belastende Inhalte, die am Kunstwerk sichtbar werden, aktiv zu verändern, was langfristig zu einer Veränderung der Gefühls- und Gedankenwelt beitragen kann.

Andere Theorien konzentrieren sich verstärkt auf lösungsorientierte Erklärungen und verweisen auf die Ausbildung spezifischer Fähigkeiten der Patienten durch die Beschäftigung mit der Kunst. Unter anderem soll die Kunsttherapie zu einer Förderung sozialer und kreativer Fähigkeiten führen und die sinnliche Wahrnehmung verbessern. Hierdurch soll langfristig die Selbstwahrnehmung verbessert werden und eine allgemeine geistige Weiterentwicklung gefördert werden.

Zwar ist es sehr schwierig, die Kunsttherapie mit wissenschaftlichen Methoden zu beweisen, da das Erschaffen von Kunst ein sehr individueller Prozess ist, der sich der exakten Messung entzieht. Allerdings existieren inzwischen diverse Studien, die signifikante positive Effekte dieser Therapie bei verschiedenen Krankheitsbildern, wie z. B. in der Psychosomatik, zeigen.

 

1) Prinzhorn, H. (1922): Bildnerei der Geisteskranken. Ein Beitrag zur Psychologie und Psychopathologie der Gestaltung. Berlin: Springer

2) Morgenthaler, W. (1985): Ein Geisteskranker als Künstler: Adolf Wölfli. Wien: Medusa-Verlag

Literatur: Schemmel, Selig, Schlesinger: Kunst als Ressource in der Therapie. Dgvt Verlag, 2008







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